Straßennamen im Wandel der Zeit


Nicht nur die Hausnummern haben sich im Laufe der Zeit verändert, sondern auch die Straßennamen. Wichtige Gründe für eine Umbenennung liegen vor, wenn Gemeinden in eine Stadt eingegliedert werden und bestimmte Straßennamen schon in der größeren Stadt bereits vergeben sind. Dies war z.B. 1916 der Fall, vorher waren die Adressen in Kriegshaber nur Nummern, die sich aber auch immer wieder verändert haben, wenn es zu viele Zwischennummern durch Neubauten gegeben hat. Dies wird aber auf einer anderen Seite gezeigt.

Hier möchte ich die Straßenumbenenungen von Kriegshaber vorstellen.
Eine wichtige Quelle ist der Straßenplan von 1934. Im Laufe des "Dritten Reiches" wurden dann wieder Straßen umbenannt, die nicht in das "politische Konzept" passten, es ging dabei nicht nur um die Straßennamen, die an die Zeit erinnerten, als Kriegshaber eine große Judengemeinde war (also hauptsächlich vor 1850), sondern auch um ganz unverdächtige Namen wie Habsburger Straße. Offenbar hat sich jemand daran gestört, dass es deutlich dokumentiert war, dass Kriegshaber bis 1806 (zusammen mit der Markgrafschaft Burgau) habsburgisch war.

Abweichende Straßennamen im Plan von 1934:
Habsburger Straße: heute Langemarckstraße, die Habsburger Straße ging aber durch bis zur Hummel Straße, etwa die Stelle, wo heute die Bgm-Ackermann-Str ist.
Hummelstraße: sie endete 1934 an der Stelle, wo sie auf die Habsburger Straße traf, danach ist auf der Karte von 1934 noch die Verlängerung zum Judenfriedhof als Weg eingezeichnet.
Judenweg: er verlief in etwa wie heute die Flandernstraße, die teilweise auch heute noch ein Fußweg ist (nördlich des Westfriedhofes)
Lippschützstraße: lag zwischen Unterer Osterfelder Straße und Schelklinger Straße, also das Gebiet, wo heute die neue B17 verläuft. Ein Teil dieser Straße existiert noch weiter als Vogesenstraße.
Nach 1945 gab es dann wieder eine Lippschützstraße, die Verbindung von der Ulmer Straße zum AGH (Augsburger Gewerbe Hof) bzw. die Verlängerung als Fußweg zur NCR. (Zu Lippschütz und der Lippschützschen Stiftung ist an anderer Stelle ein Bericht).

Das Gebiet nördlich der Tunnelstraße war 1934 noch wenig bebaut, es gab auch nur wenige Straßen, die 3 Straßen in Nord-Süd-Richtung hießen (von Westen beginnend): Kernried-Str., Dumler Straße, Hillenbrand Straße und Lilienstraße die es auch neute noch gibt.  Die nördlichen Parallelstraßen zur Tunnelstraße hießen: ..., Reichenstein Str. und Jedelshauser Str.,  dann gab es am Nordende der Dumlerstr. einen Lorenz-Stötter-Platz.Die heutige Dr.-Dürrwanger-Str. ist als Fußweg eingezeichnet, trägt aber noch keinen Namen, die Bebauung dieser Straße und auch des Aystetter Weges war ja später. 1918 war ein Teil der Straßen zum Stadtteil Oberhausen gehörig. Ebenso verlief die Grenze zwischen Kriegshaber und Oberhausen nördlich des Friedhofes, so dass ein Haus (das heutige Haus Neusässer Str. 20) 1918 noch zu Oberhausen gehörte. Das später bebaute Areal (Aystetter Weg und Dr.- Dürrwanger-Str. gehörten wie auch das Feld, auf dem um 1939 die Flakkaserne gebaut wurde, ebenfalls noch zu Oberhausen.
Das Gebiet westlich der heutigen Somme-Str. war noch nicht bebaut. Der Baubeginns für die Kaserne (zuletzt Reese-Kaserne genannt) war um 1934/1935. (Ebenso ist die Flakkaserne noch nicht eingezeichnet, die einige Jahre später erbaut wurde.) Es führten aber über den  großen Exerzierplatz drei Fußwege: einer in Richtung Nordwest nach Südost von der damaligen Lippschützstr. (Vogesenstr.)  nach Pfersee zum östlichen Ende des Judensweges (Flandernstr.), ein Weg ziemlich ostwestlich von der Ramsberger Straße zu dem Knick, den die Landvogtstraße macht und einer von Markgrafenstraße zur Saarburgstraße. Bei der Neuordnung der Stadtbezirke von Augsburg im Jahre 1938 gehörten alle Gebiete und die dazugehörigen Straßen bereits zu Kriegshaber, die auch heute noch zu Kriegshaber gehören. Eine Ausnahme ist wohl das früher landwirtschaftlich genutzte Gebiet um das Klinikum, hier fand vor Bau des Klinikum eine Flurbereinigung zwischen Stadtbergen und Augsburg (Kriegshaber) statt.

Den Kobelweg und den Schleisweg zum Bärenkeller gab es bereits, wenn auch - wenn man von einem Gebäude bei der Bahnunterführung nach Oberhausen absieht - ohne Bebauung.

Die Grenzstraße war früher am nördlichen Ende (also nördlich der Landvogtstraße) etwas länger, dieser Teil westlich des Oberhauser Bahnhofes (also zwischen Weldishofer Straße und Bahngleis) ist heute bebaut, früher mündete die Grenzstraße in die Ulmer Straße bei der Bahnunterführung.

Aus der Skizze um 1900 (vor den Umbennungen auf Grund der Eingemeindung von 1916) lassen sich folgende frühere Straßennamen erschließen:

Hauptstraße  die heutige Ulmer Straße

Stadtbergerstraße heute die Kriegshaberstraße südlich der Einmündung des kleinen Gehweges, der zur Giesekestraße führt
 
Am Berg  bzw. Bergstraße die heutige Giesekestr.

Bollenplatz heute ein Teil der Giesekestraße nördlich der Eiscafes Paulino

Gartenstraße  heute die Hummelstraße, die aber früher als Feldweg zum israelitischen Friedhof führte (ist heute von der Bgm-Ackermannstraße durchschnitten)

Elendstraße  der westliche Teil der Markgrafenstraße

Grabenstraße  der östliche Teil der Markgrafenstraße

Rußlandstraße  die heutige Langemarkstraße und später Rockensteinstraße

Exerzierplatz vermutlich die heutige Sommestraße

Pferseerstraße  die heutige Reinhöhlstraße

Krautgartenstraße die heutige Vohenburgerstraße

Krähgasse die heutige Ramsbergerstraße

die letztgenannten Straßen lassen sich auch im Adressbuch von 1913 erschließen

siehe auch Zeichnung der Straßen von Altkriegshaber von 1884 (Anlage zum Konzessionsantrag für das Gasthaus Heimgarten)


Quelle: Plan der Stadt Augsburg 1934, Maßstab 1:12500 , handgezeichnete Skizze der Straßen von Luis GumpingerAmtsblatt der Stadt Augsburg vom 26-Mar-1938 neue Bezirkseinteilung, z.B. Kriegshaber=18
siehe auch unter B4 die historischen Karten von Kriegshaber

Plan 1934
Änderungsstand: 23-Jan-2010 19:30
Heinz Wember