Zur Geschichte von
Ort und Schloss Marktoberdorf
Die ersten Gaugrafen
unseres Gebietes dürften
Welfen gewesen sein, da sie zu den bedeutendsten und vornehmsten
Adelsgeschlechtern
des Gaues gehörten. Der Gau Keltenstein ging schon Anfang des
10.
Jahrhunderts im Augstgau auf und hatte ab 930 keine Gaugrafen mehr.
Ungefähr
um die Mitte des 12. Jahrhunderts gingen die Gaugrafschaften in
erblichen,
teils weltlichen, teils geistlichen Besitz über.
Aus dem
größeren Teil des Keltengaues
entstand die Reichsvogtei Füssen, die zweifelsfrei welfischer
Besitz
war. Im Jahre 1191 kamen die welfischen Erbgüter in Schwaben
sowie
ihre Vogteirechte durch Kauf an die Hohenstaufen. Nach dem Tode
Konradins
im Jahre 1268 fiel die Vogtei Füssen mit allen
schwäbischen Landvogteien
an das Reich zurück. Kaiser Heinrich VII. verpfändete
1313 die
Vogtei Füssen dem Bischof von Augsburg um 400 Mark Silber.
Diese Pfandschaft,
die vom Walde Hart bei Oberdorf bis zu den Alpen-Vorbergen reichte,
wurde
nie mehr eingelöst; sie wurde sowohl von Friedrich
dem Schönen von Österreich 1314 als auch
von Kaiser
Ludwig dem Baiern 1322 dem Bischof von Augsburg erneut
bestätigt.
Kaiser
Karl IV. (1347-1378) erteilte dem Hochstift Augsburg und
damit der
bischöflichen Kirche die volle Gerichtsbarkeit, indem er sie
von allen
Gerichten befreite und die hochstiftlichen Untertanen künftig
nur
mehr den bischöflichen Gerichten beklagt werden durften. Die
Reichsvogtei
Füssen, die bisher nur pfandweise dem Bischof
gehörte, ging nun
in sein volles Eigentum über und damit auch Oberdorf mit allen
anderen
bischöflichen Ortschaften in seiner Nachbarschaft. ...
Nachdem Oberdorf ein
ausgedehnter Verwaltungsbezirk
geworden war, brachte das Hochstift Augsburg alle Hoheitsrechte im Ort
an sich, und der Bischof wurde gleichzeitig der bedeutendste Grund- und
Gerichtsherr. ...
1453 erhielt Oberdorf auf
Ersuchen des
damaligen Fürstbischofs und Kardinals Peter von Schaumberg vom
römisch-deutschen
Kaiser Friedrich
III., in Anerkennung seiner treuen Dienste für den
Kaiser, das
Marktrrecht, das die Erhebung Oberdorfs zum Marktort bedeutete, aber
die
Bildung einer Bürgergemeinde bedingte. Eine Abschrift dieses
Marktbriefes
ist im Originalbestätigungsbrief von Kaiser
Leopold I. aus dem Jahre 1667 im Besitz des hiesigen
Stadtarchivs.
Das Wappen des Marktes
zeigt Martin von
Tours bei der Teilung seines Mantels für einen armen Bettlers.
Ort
und Zeit der Verleihung dieses Wappens sind leider nicht bekannt. ...
In Schwaben fand Luther
viel Widerhall
und dies besonders in den Reichstädten Kaufbeuren und
Memmingen. Von
dort kamen auch die Bürger, die ihre bäuerlichen
Landsleute gegen
ihre geistlichen und weltlichen Grundherrn aufwiegelten. ...
Am 24.2. 1525 sammelte
Paulin Probst in
Oberdorf 8000 bischöfliche Untertanen in Wehr und Waffen,
darunter
auch ein paar Geistliche, während der Fürstbischof
mit den Bauern
verhandelte, um eine friedliche Beilegung des Aufruhrs zu erreichen.
Weil
aber die dargelegten Anliegen und Forderungen der Bauern nicht sofort
erfüllt
wurden, schlugen sie Sturm, plünderten das Schloss und fuhren
mit dem Getreide des herrschaftlichen Kastens davon. Dann
stürmte
der Haufen weiter nach Stötten und Burggen. Zuzug erhielt der
Oberdorfer
Haufen vor allen aus Buchloe. Als die bairischen Herzöge [Wilhelm
IV. und Ludwig
X.] die Grenzen ihres Herzogtums am Lech am 3. April 1525
besetzten,
um den Abfall ihrer Untertanen zu verhüten, war der
Bauernkrieg schon
im Gange. Einzelheiten würden zu weit führen. Es
tauchen die
Namen des Feldhauptmanns Jörg
Truchseß von Waldburg und Georg von Freundsberg
auf, und Flucht
und Hinrichtungen waren an der Tagesordnung. ...
Am 20. Mai 1632 erschienen
die ersten Schweden
vor Oberdorf, wobei wehrhafte Einwohner den Tod fanden oder verwundet
wurden.
Am 30. Mai, nur 10 Tage nach dem ersten Überfall,
plünderten
schwedische Reiter das hiesige Schloss, brandschatzten Stötten
und steckten Kirche und Schloss Ottilienburg sowie den Pfarrhof von
Altdorf in Brand. ...
1650, also 16 Jahre nach
dem schrecklichen
Pestjahr, gab es in der Pflege Oberdorf neben 630 bewohnten
Häusern,
65 ödstehende und 380 leere Hofstätten. ...
Oberdorfs Wahrzeichen ist
und bleibt sein
Schloss. Zum erstenmal ist von einem Schloss in Oberdorf im Jahre
1424 die Rede. In den Jahren 1515-1517 führte der Augsburger
Fürstbischof
Heinrich von Lichtenau einen spätgotischen Neubau auf,
für den
uns leider sowohl Bildmaterial als auch Beschreibungen fehlen. Seine
Erweiterung
fiel in die Jahre 1598/99. In erster Linie war es ein
Jagdschloß,
in dem auch Kaiser
Max I. (1493-1519), ein leidenschaftlicher Jäger,
mehrmals und
gerne zu Gast war. Dieses Schloß stand bis zum Jahre 1722.
Der streng
gotische Bau paßte nichte mehr in die Zeit des heiteren
Barocks,
und so ließ Fürstbischof
Alexander Sigismund, Pfalzgraf bei Rhein (1690-1737) die Burg
abtragen
und das heutigen Barockschloss ausführen. Mit dem Neubau wurde
Johann Georg Fischer, der in Oberdorf geborene Füssener
Baumeister
beauftragt. Damals wurde der Westbau mit dem Hauptportal und 9
Fensterachsen,
der Südflügel mit 26 und der Ostflügel mit
12 Achsen errichtet.
...
Im Jahre 1761 wurde der Bau
von Fürstbischof
Joseph, Landgraf von Hessen (1740-1768) erweitert, indem
Gästewohnungen
hinzugefügt wurden, der nach Norden noch offenstehende Hof
geschlossen
und an der Ostseite ein einfaches Tor angelegt. Das Schloss hatte
nunmehr 72 Zimmer. ...
Sowohl der Erbauer des
Schlosses als auch
sein Nachfolger weilten bekanntlich recht gerne im Schloss zu Oberdorf.
Eine besondere Vorliebe für den Markt und sein Schloss hatte
der letzte der Fürstbischöfe,
Kurfürst Clemens Wenzelaus, der auf Schloss
Hubertusburg
in Sachsen geborene Prinz zu Polen und Litauen und Herzog von Sachsen.
Von ihm stammt die 1774 angelegte, prächtige Lindenallee,
deren Erhaltung
sich die Stadtverwaltung sehr angelegen sein läßt.
Spätere
Forschungen ergaben, daß die Allee wahrscheinlich auf
klassischen
Boden entstanden ist und hier die Römerstraße
Kempten - Epfach
durchging.
Nach seiner Vertreibung aus
dem Erzstift
Trier in den Wirren der Französischen Revolution und dem
Verlust seines
Kurfürstentums zog sich Clemens Wenzelaus auf sein
Fürstbistum
Augsburg zurück. Die Sommermonate verbrachte er bis zu
seinem
Lebensende hier im Schloss, wohin ihn seine jüngste
Schwester Prinzessin Maria Kunigunde Dorothea stets
begleitete und
dort die Stelle einer Kurfürstin vertrat. Sie war es auch, die
mit
ihm im Asyl nach Oberdorf ging und elf Jahre nach seinem Tode mit ihrer
Nichte Maria
Amalia, der verwitweten Pfalzgräfin von
Pfalz-Zweibrücken
am Ostchor der Oberdorfer Pfarrkirche eine Grabkapelle im
klassizistischen
Stil errichten ließ [siehe
östlich der Kirche auf dem Foto], die heute noch
steht. ...
Auch Schloss Oberdorf fiel
der Säkularisation
1802 zum Opfer, wo Clemens Wenzelaus auch seine Landeshoheit im
Hochstift
beraubt wurde. Zwar wurde ihm das Schloss bis zu seinem Lebensende
zur freien Benutzung belassen und ihm zugleich die niedere
Gerichtsbarkeit
im Markte eingeräumt, aber schon im Jahre 1812
übernahm der bayerische
Staat das Schloss von Markt Oberdorf und richtete dort seine
königlichen
Behörden - Landgericht und 1820 das Rentamt ein. 1862 wurde es
auch
Sitz des Bezirksamtes. ...
Das Schloss, hoch
über der Stadt,
bleibt weiterhin sein Wahrzeichen und ist durch die Einrichtung der Bayerischen
Musikakademie wieder einem sinnvollen Zweck
zugeführt worden,
zu deren Gründung der Stadt nur gratuliert werden kann.
Foto
, Schloss , die
Bischöfe von Augsburg
Quelle: Dorothea Wachter:
Ortsgeschichte
und Schloßbau in Oberdorf in Einweihungschreiben der Akademie
1984
Änderungsstand: 22-Jun-2010 09:10
Heinz Wember