Einleitung
Ursprung unseres Ortsnamens
Vorgeschichtliches
Aus
der Frühgeschichte
Das Alte Zollhaus
Der Franzosenhof
Erste Straßenbahnlinie bis Kriegshaber
Kinderklinik
und Zentralklinikum
Bedeutende
Wirtschaftsbetriebe und Geschäfte
Kirchengeschichte
der kath. Dreifaltigkeits-Kirche
Pfarrheim
Kriegshaber
Kath.
Pfarrgemeinde “Heiligste Dreifaltigkeit“
Kirchengeschichte
der Katholischen St. Thaddäus-Kirche
Pfarrgemeinde
St. Thaddäus
Geschichte
der evangelischen St. Thomas-Kirche
Pfarrgemeinde
St. Thomas
Geschichte
der amerikanischen Kirchen von Kriegshaber
Geschichte
der Juden in unserer Gemeinde
Als die Gemeinde Kriegshaber vor 70 Jahren, mitten im ersten Weltkrieg, Fahnenschmuck anlegte, geschah das zu einem Ereignis von besonderer Bedeutung:
Am 1. April 1916 wurde die Eingemeindung des damals noch kleinen Ortes in die Großstadt Augsburg vollzogen. Die Ehrengäste, die zu der Eingemeindungsfeier gekommen waren, wurden am Eingang des Mädchenschulhauses von Flaggen in den Augsburger Stadtfarben begrüßt. Der Festraum zeigte inmitten reichen Grünschmucks die Büste des bayerischen Königs Ludwig III. und auch die Augsburger Zirbelnuß fehlte nicht. Der Oberbürgermeister der Stadt, mit der die Nachbargemeinde nun vereinigt werden sollte, Geh. Hofrat von Wolfram, trat als erster an das Rednerpult. “Es ist heute ein denkwürdiger Tag, nicht nur für die Gemeinde Kriegshaber“, stellte er fest, “sondern auch für die Stadt Augsburg. Denn nun ist die Eingemeindungspolitik Augsburgs in der Hauptsache zum Abschluß gekommen durch die Einverleibung von Kriegshaber, die von allen umliegenden Ortschaften bei den städtischen Kollegien auf den geringsten Widerspruch stieß, da sie unbedingt nach Lage der Verhältnisse notwendig war“. Doch hatte es auch manchen schwierigen Punkt bei den Verhandlungen zu erledigen gegeben, daran erinnerte Augsburgs Oberbürgermeister bei dieser Gelegenheit, um dann den Einwohnern von Kriegshaber zu versichern: “Die Stadt Augsburg ist von dem besten Willen beseelt, der Gemeinde vorwärts zu helfen, und diese wird sich bei den städtischen Kollegien in treuer Obhut befinden“. Von den großen zu lösenden Aufgaben nannte er besonders die Kanalisation und die Wasserleitung, die vordringlich seien im Interesse gesunder sanitärer Verhältnisse des neuen Vorortes. Hier müsse auch schon deswegen in erster Linie eingegriffen werden, weil man vor den Toren Augsburgs nicht Verhältnisse dulden könne, die eine Gefahr für die hygienischen Zustände der Stadt selbst bedeuten. Hofrat von Wolfram verband mit seinen Worten des Dankes an den bisherigen und letzten Bürgermeister von Kriegshaber, Josef Schärtl und an alle übrigen um das Zustandekommen der Eingemeindung Verdienten den Hinweis: “Es bleibt ein merkwürdiger Zufall, daß die Eingemeindung in die Zeit des schrecklichsten und größten Krieges fällt und es ist ein Beweis innerer Kraft, daß wir auch in diesen Zeiten den Mut hatten, das Stadtgebiet wieder zu vergrößern und uns mit der Gemeinde Kriegshaber zu vereinigen‘. In seiner kurzen, aber eindringlichen Erwiderung sprach Bürgermeister Schärtl den Wunsch aus, daß die Eingemeindung zum Wohle der Einwohnerschaft führen möge. Daß in dieser Feierstunde das Augsburger Stadtoberhaupt den offiziellen Schlußstrich unter die bisher von Augsburg betriebene Eingemeindungspolitik zog, machte den Tag der Einverleibung von Kriegshaber geradezu zu einem “Markstein“ in der Entwicklung der Stadt Augsburg. Das zeigt ein Rückblick in die Geschichte der Augsburger Eingemeindungen. Das Ziel der Eingemeindung hat. seinerzeit, als Pfersee, fünf Jahre vor Kriegshaber, der Stadt Augsburg einverleibt wurde, Oberbürgermeister von Wolfram bei der damaligen Feierstunde in ebenso kurzer, wie prägnanter Form gezeichnet: “Wir haben erkannt, daß die Stadt Augsburg, wenn sie auch ein großes, mächtiges Gemeinwesen geworden ist, doch der Ausdehnung bedarf, um zur vollen Entwicklung zu kommen“. Als Pfersee und mit ihm auch Oberhausen, mit dem 1. Januar 1911 zu Augsburg kamen, durfte sich dies rein nach der Einwohnerzahl zwar bereits eine “Großstadt“ nennen, denn die Grenze hatte es mit den 1910 bei der Volkszählung festgestellten 102.037 Bürgern schon überschritten. Doch die Fläche des Augsburger Gebietes und die vorhandenen Entwicklungsmöglichkeiten waren für die Zukunft einer wirklichen Großstadt allzusehr begrenzt und beengt. Zwar hatte Augsburg auf dem Wege zu einer bedeutenden Industriestadt schon große und weit über die Stadtgrenzen hinaus anerkannte Fortschritte gemacht. Aber es konnte schon längst nicht mehr auf seinem Gebiet den vielen Tausenden, die in den Augsburger Fabriken und an anderen Arbeitsplätzen tätig waren, genügend Wohnungen bieten. So wurden die bis dahin meist ausgesprochen ländlichen Nachbargemeinden immer mehr zu Wohnorten für die in Augsburg schaffenden Arbeiter. Damit waren aber Gefahren entstanden, die nicht übersehen werden durften. Schon war in diesen Vororten der eine oder andere industrielle Betrieb errichtet worden, dessen hier wohnende Arbeiter den langen Weg nach Augsburg nicht mehr zu machen brauchten. Größere Auswirkungen auf die Entwicklung und Finanzlage der Stadt konnte es haben, wenn in Augsburg ansässige Industrieunternehmen, da sie hier keine räumliche Ausdehnungsmöglichkeit mehr sahen, den Entschluß faßten, in einen der außerhalb der Stadtgrenzen noch recht freiliegenden Vorort abzuwandern. Dieser Sorge der Großstadt standen die Belastungen der Gemeinde Kriegshaber gegenüber, die aus eigener Finanzkraft, ihren Bürgern gute und gesunde Lebensbedingungen zu schaffen, mit einer öffentlichen Wasserversorgung, Kanalisation, Straßenbau und Schulräume für die wachsende Zahl der Schulkinder, diese Forderungen nicht erfüllen konnte. Deshalb der Wunsch und der Antrag, in die Stadt Augsburg, als den viel stärkeren Nachbarn, eingemeindet zu werden. Aber auch Augsburg hatte aus den oben geschilderten Gründen das gleiche Anschlußinteresse. Mit der Eingemeindung von Kriegshaber vor 70 Jahren und einem Zuwachs von 4764 Bürgern, sowie einer Fläche von 301 Hektar stieg die Einwohnerzahl Augsburgs auf 147.600 und der Umfang des Stadtgebiets auf 7882 ha. Heute [1986] hat das Stadtgebiet eine Ausdehnung von rund 16.000 Hektar, bei einer Einwohnerzahl von 246.500. Davon sind mehr als 10.000 Bürger unseres Stadtteils Kriegshaber. Außerdem leben noch über 800 ausländische Mitbürger bei uns.
Der Bauer Chriech, der einst aus dem nördlichen Rhein-Franken einwanderte und im Nordwesten des späteren Augsburg siedelte, könnte Namenspatron von Kriegshaber sein. So Sprachwissenschaftler, die den Personennamen “Chriech“ und “avaron“ als Bezeichnung für Nachkommen ableiten.
Also wurde aus "Chrieches" und "avaron“ (die Nachfahren des Chriech) allmählich Kriegshaber. Es wurde nicht etwa wegen seierr kriegerischen Bewohner so benannt.
Eine andere Erklärung führt die Entstehung des Namens auf ein blutiges Ereignis zurück. So sollen römische Truppen, denen auch griechische Söldner angegliedert waren, in der Gegend des heutigen Kriegshaber ein Standquartier gegenüber einer keltischen Siedlung (möglicherweise dem späteren Augsburg) aufgeschlagen haben. Bei einem nächtlichen Überfall machten die keltischen Kriegshaufen die römische Besatzung nieder. Dabei wurde auch Avar, der Sohn des griechischen Königs Bogud, getötet. Und diese Stelle sollte dem späteren Kriegshaber den Namen "Kriechsavar“, "Chrekesavaron“ und schließlich "Crikesaver“ gegeben haben. Eine weitaus friedlichere Auslegung spricht von “Gries“, einem Sandboden, auf dem nur Hafer gedieh. Aus diesem “Grieshafer“ habe sich schließlich der Name Kriegshaber entwickelt. So sind folgende Schreibweisen überliefert:
1135: Chrikesavaron
1428: Kriechshabern
1488: Grüeßhaber,
dann Kriegshaabern und schließlich
1590 schon Kriegshaber.
Die schmale Ausbuchtung der
westlichen Wertachhochstraße, auf der Altkriegshaber (“auf dem Berg“)
liegt, veranlaßte bereits den prähistorischen Menschen, sich
hier seßhaft zu machen. Das beweist eine Gruppe von 16 Hügelgräbern
am südlichen Ostrand (zwischen der Stadtberger- und Judenfriedhofstraße).
Das Vorkommen weiterer solcher Bodenaltertümer südwärts
stützt die These, daß sich der Urmensch vorzugsweise an waldfreien
Flußläufen niederließ. Von dort aus genoß er den
ungehinderten Überblick über das tieferliegende Überschwemmungsgebiet
der Wertach. Daß dieser Gebirgsfluß sein Rinnsal stets wechselte
und sich erst später allmählich tiefer eingrub, zeigte die geologischen
Zusammensetzung des ganzen Geländes. Dieser Naturprozeß war
jedoch längst abgeschlossen, als die ersten Siedler ihre Verstorbenen
unmittelbar ebenerdig mit dem Wertachufer bestatteten. Einige dieser Hägelgräber
wurden vor mehr als 100 Jahren (1855) mit ziemlich geringem Fundergebnis
erschlossen. Doch konnte aus den Scherbenbefunden und Aschenresten die
Entstehung der Brandgräber in die 3. Epoche der Hallstattzeit datiert
werden, wo man ja bereits zur Leichenverbrennung und Aschenbestattung übergegangen
war. Das schwache Licht, das diese Funde auf die Vorgeschichte unserer
Heimat zu werfen vermochte, erlischt nun wieder, bis Zufallsgrabungen neue
Anhaltspunkte geben.
Als das Römerreich aus Expansionsbedürfnis oder aus Eroberungssucht seine ersten Legionäre in unseren Gau schickte, trafen sie im Mündungswinkel zwischen Wertach und Lech bereits eine keltische Siedlung an, deren Bewohner sich anscheinend der Eindringlinge zu erwehren suchten. Sonst wären die Römer, die die strategische Bedeutung jener Höhenlage wohl erkannten, nicht gehalten gewesen, zunächst am linken Wertachufer bei Oberhausen sich zu verschanzen. Die dort im Jahre 1913 erfolgte Freilegung von zahllosen Fundstücken bezeugt das Vorhandensein eines wohleingerichten Legionslagers, das nach dem Zustand der Fundstücke zu schließen, später in Flammen aufging. Die römische Besatzung hat auch in Kriegshaber Spuren hinterlassen. Aus einer Reihe von Münzfunden läßt sich ein Handel mit den Eingeborenen vermuten. Die Mehrzahl jener Münzen aber, die hauptsächlich “auf dem Berg“ bei und in der Kiesgrube im Laufe der Zeit von Schulbuben gefunden wurden, sind allmählich wieder verschollen, da sie unansehnlich schienen und ihr Wert nicht geahnt wurde. Erhalten haben sich davon im Maximilianmuseum: ein in der Kiesgrube gefundener “Agrippa“ vom Jahre 26 vor Chr., mehrere “Kleinbronzen von Constantin I.“ von 308 n.Chr., ein “Denar des Hadrian“ von 123 und ein “Gordian III‘ von 224. Zwei “subärate Denare der Julia Mamaea" (gest.235) und ein “Vespasian mit Judea capta“ sind in Privatbesitz.
Frühere örtliche
Entwicklung:
Aufgrund verschiedener Ankunftsbriefe,
Register, bischöflicher Lehenbücher usw. läßt sich
ein ungefähres Bild von der allmählichen Entwicklung des uralten
“Weyllers“ rekonstruieren. Der ganze Grund und Boden war seit unvordenklichen
Zeiten bischöfliches Ureigentum. Erstmals vom Jahre 1357 sind zwei
Höfe von Kriechshafern beurkundet, die als beschöfliche Lehen
an wohlhabende Augsburger Bürger verliehen waren. Der eine, der bis
nach dem 2. Weltkrieg noch vorhandene “Mittelbauernhof“ gab zu der Zeit
Heinrich Hagenohr an seinen Bruder Johann weiter, während der andere
Hof, damals Mayerhof genannt, (jetzt Marstallerhof — vor ca. 5 Jahren umgebaut,
da unter Denkmalschutz gestellt — eine “Wiener-Wald-Gaststätte“ beherbergt
—) von Luitpold Wohlfahrts Erben anrio 1361 an Conrad Ilsung überging.
1432 weist ein Kaufbrief erstmals das Realrecht der Taffernwirtschaft aus,
das dann erst Ende des 19. Jahrhunderts an den “Schwarzen Adler“ kam. Von
den anno 1576 im geistlichen Besitz befindlichen 9 Feuerstätten gehörten
3 Höfe und 3 Sölden dem Hl.Geist-Spital, der Rest den Klöstern
St. Katharina und St. Georg. Die Lage von Kriegshaber unmittelbar an der
Heerstraße gab dem Ort bis in die Neuzeit hinein all die Bedrängnisse
und Lasten, die der Krieg zur Folge hat, zu spüren. Weitere Entwickliingen
lesen Sie auf den folgenden Seiten.
Unter den baulichen Erinnerungen im alten Kriegshaber nimmt das unter Denkmalschutz stehende ehemalige Zollhaus an der Ulmer Straße 182 einen besonderen Platz ein. Mit den schwungvollen Linien seines hohen, abgewalmten Mansardendaches macht es auffälig auf sich aufmerksam. Der vorgeschobene Erker, unter dem sich der Eingang befindet, mit seiner nagelgeschmückten Eichentüre, ist ein weiteres besonderes Merkmal des Zollhauses, das 1775, neben dem Platz eines älteren eingestürzten Baues mit gleicher Zweckbestimmung errichtet wurde. Im Inneren befinden sich noch die alten, schön geschnitzten Stiegengeländer aus Eichenholz aus der Zeit der Erbauung des Hauses. Dieses dient freilich schon längst nicht mehr seiner ursprünglichen Aufgabe. Früher gehörte es dem österreichischen Kaiser. Als nämlich die Habsburger noch die Markgrafschaft Burgau besaßen, reichte ihre Herrschaft bis vor die Tore Augsburgs. In dem alten Gebäude befand sich das Markgräflich-Burgauische-Gerichtsvogtei-Amt. Zu Anfang des vorigen Jahrhunderts [1806] kam es in den Besitz der Gemeinde Kriegshaber, die hier eine Schule einrichtete. Nach der Eingemeindung 1916, zog eine Polizeistation in das alte Zolihaus ein und waren dort fast ein halbes Jahrzehnt Hausherren. Dann war es ausschließlich Wohnhaus. Jetzt ist im Erdgeschoß eine Begegnungastätte der Arbeiter-Wohlfahrt und im Dachgeschoß die Räume für den Schachclub.
Eine weitere bauliche Erinnerung ist der ebenfalls unter Denkmalschutz stehende Franzosenhof. Man nimmt an, daß Hugenotten, in Frankreich verfolgte Anhänger des Kalvinismus, das Gut 1780 in seinem großzügigen Stil erbaut haben. Die Gebäude umschließen hufeisenförmig einen geräumigen Hof. Es gibt verschiedene Stallungen, einen Stadel mit Walmdach, ein Wasch- und Schlachthaus, sowie ein Herren- und Gesindehaus. Besonders schön sind am Herrenhaus die umlaufenden Fensterreihen. Gewohnt wurde mit viel Licht und Sonne. Ein schloßähnhiches Gebäude, in einem Park mit künstlich angelegtem Weiher stand ein Gartenhaus. Die Gebäude sind in ihrer Geschlossenheit erhalten und können auch heute noch das Bild einer großen herrschaftlichen Gutswirtschaft vermitteln. 1812 erwarb die bedeutende Bankiersfamilie Schmid das Anwesen. Über Paul Schmid wird berichtet: “... seit Jahrzehnten gibt es nur noch seinen Willen in der Augsburger Industrie, die Mehrzahl der Industriellen und Bankiers funktionieren mehr oder minder als Statisten. ... wenige, die heute staunend durch die tosenden Websäle der Augsburger Werke schreiten, mögen sich bewußt werden, daß der Lebensnerv dieses Riesenapparates der Wille eines Mannes ist, - der von Paul von Schmids“.
Mit dessen Tod 1824 endete die glanzvolle Zeit des Franzosenhofs. Einer Anekdote nach soll ein Dr. Schärtl 1840 im Parkweiher Blutegel für seine Praxis gezüchtet haben. Das Gut ging 1898 in den Besitz der Familie Langenmayer über, die es um eine Kalkbrennerei erweiterte und bis 1950 betrieb. 1945 wurde die Kalkbrennerei zerstört und der Franzosenhof wurde als Bauernhof weitergeführt. Der Park ist mitsamt Weiher und Gartenhaus verschwunden, allerdings war das Gartenhaus — ein zweistöckiger Rapunzelturm mit spitzem Dach — noch bis 1920 bewohnt. Das Turmhäuschen ist dann Ende der 20er Jahre in den Besitz der Katholischen Jugendvereine von Kriegshaber übergegangen, die in Eigenleistung daraus ein Vereinsheim gemacht hatten. Der damals noch junge Maler Karl Radinger hatte an die Innenräume junge Köpfe an die Wand gezaubert und außen die Bemalung mit dem Bild des heiligen Michael mit dem Drachen. Er wurde später ein bedeutender Kirchenmaler, sei es in der Stadtpfarrkirche in Kriegshaber oder in Meitingen, genauso wie die Piéta im Ehrenmal für die Gefangenen im Friedhof von Kriegshaber. Auch das Mosaikbildnis am Leichenhaus mit dem “Auferstandenen“ trägt seine Handschrift. Nach Auflösung dieser katholischen Vereine während des 3. Reiches, hatte sich in dem Rundbau ein Uniformschneider eingemietet. Im Jahre 1955 mußte dieses auffällige Gebäude einer Wohnbebauung weichen und wurde abgerissen.
6 Jahre vor der Eingemeindung
von Kriegshaber zur Stadt Augsburg fuhr bereits am 1. Juni 1910 die Straßenbahn
bis zur Mitte des Dorfes Kriegshaber. Es war eine Erleichterung für
die vielen Arbeiterfamilien, die ihren Arbeitsplatz hauptsächlich
in der Stadt Augsburg hatten und alles zu Fuß zurücklegen mußten.
Den festlichen Empfang der Straßenbahn bereiteten vor allem die Jugendlichen
ihrer “Tram“, wie sie damals im Volksmund hieß. Der geschmückte
Wagen mußte durch ein Pappetor fahren, das auf Höhe des Heimgartens
stand. Fahnen wehten von den Häusern, Girlanden begrenzten die Wände.
Die Straßenbahn hielt an der gleichen Stelle, an der die Linie 2
heute [1986] noch wendet. Auch die alten Häuser sind noch da. Einige
wurden in der Zwischenzeit modernisiert. Verschwunden sind allerdings die
Vorgärten. Das Gerätehaus der Freiwilligen Feuerwehr Kriegshaber,
das jahrzehntelang leerstand, wurde bei der erneuten Gründung vor
10 Jahren seinem eigentlichen Zweck wieder zugeführt und mit viel
Eigeninitiative der Mitglieder wieder ansehnlich instandgesetzt. Die Straßenbahnhalle
mit dem fantasievollen Giebel steht unter Denkmalschutz und wird [wurde
bis Dez. 2001] nur noch zum Umkehren der Straßenbahnen verwendet.
Die damalige Verlängerung der Straßenbahn bis zum Klinikum wurde
trotz Genehmigung durch den Stadtrat wieder zurückgestellt. Omnibusse
bringen nun die Bürger vom Oberhauser Bahnhof zum Klinikum.
Das Zentralklinikum am Kobelfeld an der Stadtgrenze zu Neusäß ist das größte und modernste Krankenhaus Bayerns mit der höchsten Versorgungsstufe. So priesen Fachleute und Politiker das neue Klinikum, das ein Einzugsgebiet von 600.000 bis 900.000 Menschen versorgen soll. Am 25.02.1953 beschloß der Stadtrat, auf dem Gelände westlich von Kriegshaber, eine zentrale Krankenhausanlage zu errichten. Im Jahre 1958 beschloß man im Rahmen der Gesamtplanung für ein Zentralklinikum, im ersten Bauabschnitt eine Kinderklinik mit 250 Betten zu erstellen. 1959 war die Grundsteinlegung, 1965 die Einweihung.
1983 konnte eine 1. und 2. Kinderklinik sowie eine kinderchirurgische Abteilung verzeichnet werden. 1968 Beginn der Generalplanung für das Zentralklinikum. Die 1969 intensiv geführten Verhandlungen mit dem Landkreis Augsburg führten am 22. Dezember 1969 zur Unterzeichnung der Satzung des Krankenhauszweckverbandes Augsburg durch Oberbürgermeister Wolfgang Pepper als Vertreter der Stadt Augsburg. 1974 bis 1979 begann der Bau des Zentralklinikums mit 1405 Betten und allen erforderlichen Behandlungs- und Versorgungseinrichtungen. 1982 fand die offizielle Übergabe statt. Zu den drei chirurgischen-, drei medizinischen-, einer gynäkologischen- und einer neurologischen Kliniken kommen noch eine Herz- und Nieren-Chirurgie dazu.
Bei der Eingemeindung gab es in Kriegshaber als einzigen Industriebetrieb die Maschinenfabrik Keller und Knappich an der Ulmer Straße, die sich hauptsächlich mit der Fertigung von Acetylenapparaten für Haus- und Stadtbeleuchtung, Autogenschweißmaschinen und dem Kessel- und Behälterbau befaßte. Ab 1922 kam der Bau der Kommunalfahrzeugbauten und Widerstandsschweißmaschinen dazu. Während des 3. Reiches kam noch die Fertigung von Rüstungsprodukten hinzu. Dann die Stunde Null. Augsburgs Industrie weist erhebliche Kriegsschäden auf. Die Fertigungsanlagen von “KUKA“ boten ein grauenhaftes Bild. Kurzzeitig wurden noch Rundstrickmaschinen und die Flachschreibmaschine “Prinzess“ in großen Stückzahlen gefertigt. 1950 an die Quandtgruppe verkauft, wurde der Platz für die neuen Aufgaben zu klein und so zog die Firma 1959 in die Blücherstraße nach Lechhausen. Den ersten industriellen Zuwachs erhielt Kriegshaber im Jahre 1923 mit der Errichtung der Firma “MAPAG“, eine Spezialfabrik für ferngesteuerte Ventile und Absperrorgane, wie sie für automatische Schaltmaschinen benötigt werden. [Mittlerweile ist die firma aufs Land gezogen, die Gebäude wurden abgerissen, die Neubebauung fand noch nicht statt.] 1941 wurde an der Neusässer Straße die “Lifa“ (Lichtfilterfabrik, Inh. Oskar Kellner) gebaut. [Auch diese Firma ist aufs Land gezogen, es wurde ein Wohnkomplex von ca. 225 Wohnungen dort gebaut.] Im Jahre 1940 entstand dann in dem Komplex Ulrner Str. 160 a die Firma “Michel Werke“ Fabrik für Elektrogeräte, die hauptsächlich für die Luftfahrt produzierte. Nach Kriegsende wurde die Fabrikation stillgelegt, der eine Bauteil wurde an die damalige “Schwäbische Landeszeitung“, und der andere Teil an die “National Registrierkassen“ vermietet. Später hat die “NCR“ selbst ein riesiges Industriezentrum errichtet. In den ehemaligen Michelwerken entstand voriges Jahr der “Gewerbehof“. In der Neusässer Straße 11 befindet sich die Firma “Leonhard Fröschle KG“, eine Stahlbaufirma. [Auch diese Firma ist inzwischen aufs Land gezogen, es wurden dort Reihenhäuser errichtet.]
Noch einige alteingesessene Geschäfte seien hier kurz aufgeführt: Die alte Kriegshaber Apotheke, gegründet 1871 hatte nahezu 100 Jahre das Monopol, bis 1968 die Westapotheke und 1981 die Stephansapotheke eröffnet wurde. Seit 1834 besteht der Familienbetrieb der Drechslerei Munk. Ebenso seit 1895 der Gartenbaubetrieb Michael Saule. Die 1902 gegründete Schlosserei Brehmer übernahm 1935 Ludwig Eisenhofer, der mit seinem Fahrradgeschäft und jetzt auch Autohandel weit über Kriegshaber hinaus bekannt wurde. [Die Firma Toyota Eisenhofer ist seit einigen Jahren in neue Gebäude am Kobelweg umgezogen. In dem alten Gebäude waren inzwischen verschiedene kleinere Gewebebetriebe. Zuletzt ist hier eine Installationsfirma eingezogen.] Der Kunst- und Bauschlossermeister Maximilian Kraus hat ebenfalls ein Fahrradgeschäft über 2 Generationen in der Ulmer Straße geführt. [In diesem Gebäude, wo noch der schmiedeeisenere Schlüssel angebracht ist, ist heute die Bäckerei Adam.] Seit 1906 besteht die Holzbearbeitung Greifenegger Josef; ebenso bestand lange Jahre die Kunstschlosserei Martin Greifenegger. Ein weiterer Holzbearbeitungsbetrieb besteht seit 1908 mit Zimmermeister Lorenz Schmid. Bis vor einigen Jahren gab es einen Holzbearbeitungsbetrieb Anton und Heinz Schiele. Ein alteingesessenes und seit 1908 bestehendes Baugeschäft Fülle & Walter in der Ulmer Str. und ein weiteres großes Baugeschäft Off in der Rockensteinstraße.
Das Filialdorf Kriegshaber gehörte bis 1864 zur Pfarrei Oberhausen. Im Jahre 1689 wurde von einem Bauern eine Kapelle erbaut, später vergrößert und unter dem Titel “Mariä Heimsuchung“ die Weihe erhalten. 1857 wurde ein eigener Expositus angestellt. In dieser Zeit entstand ein kircheneigener Friedhof. Im Jahre 1864 wurde die Expositur zur Pfarrei erhoben. Der erste Pfarrer war Josef Dirr, der bis 1873 die Pfarrei versah. Durch großzügige Spenden der Bevölkerung - der Baugrund wurde von Familie Steppich geschenkt - konnte die Kirche gebaut und 1868 zur “Heiligsten Dreifaltigkeit“ geweiht werden. Nicht bloß die Katholiken wetteiferten an Freigiebigkeit, sondern auch Juden spendeten ansehnliche Beträge. So konnte die Kirche im neugotischen Stil erbaut, mit holzgeschnitzen Altären, einer Fülle von Figuren, bunten Fenstern und reicher Wandbemalung ausgestattet werden. Bei der Renovierung in den 30er Jahren war bis auf wenige Ausnahmen die Innenausstattung entfernt worden. Nun kam der 2. Weltkrieg. Am Sonntag, dem 16. Juli 1944, vernichtete ein Bombenangriff, was sich die Bevölkerung Kriegshabers unter schweren Opfern geschaffen hatte. Zwischenzeitlich, bis am 6. November 1950 die neuerbaute Kirche von Bischof Dr. Josef Freundorfer geweiht werden konnte, diente die Turnhalle als Notkirche. In den folgenden Jahren wurden nach und nach von dem Kriegshaber Kirchenmaler Karl Radinger Altarbild, Kanzel und Kreuzweg gemalt. Diese Bilder sind es auch, die neben der aus der alten Kirche geretteten Dreifaltigkeitsdarstellung unserer heutigen Kirche das Gepräge geben. Vor nicht allzulanger Zeit ist der Ausbau der Seitenkapelle erfolgt. Hier wurde durch die künstlerische Ausgestaltung ein wertvoller Sakralraum geschaffen, für kleinere Gemeinschaften, die hier ihre Gottesdienste feiern können. Namentlich Ukrainer, die der griechisch-katholischen Kirche angehören, halten dort regelmäßig ihren Gottesdienst in ihrer Liturgie ab. Nicht vergessen werden darf die von der Firma Steinmayer, Öttingen erstellte große Orgel mit 36 Registern. Großer Beliebtheit erfreuen sich gerade auch von auswärtigen Besuchern an Festtagen die Hochämter, wobei von einem gut geschulten Chor große Messen mit Orchestern von Haydn und Mozart aufgeführt werden, wie überhaupt der Pflege des Chor- und Gemeindegesanges große Bedeutung zugemessen wird. Es kann gesagt werden, daß in der Pfarrei ein lebendiges religiöses Leben herrscht. Der zweite und die weiteren Pfarrherren waren: Josef Baum von Schretzheim 1873 — 1878, Alois Kienzel von Kempten 1878 —1881, Georg Wiesmüller von Warmisried 1881 — 1890, Xaver Marxer von Attenhausen 1890 - 1910, Ludwig Straßer von Augsburg 1911 - 1933, Nikolaus Holzheu von Lengenfeld 1933 — 1953, Johannes Nuscheler von Burggen 1953 — 1976 und unser jetziger Stadtpfarrer Richard Steiner seit 1976. [Weitere Pfarrer: Johannes Rauch, Dr. Thomas Groll. Seit 1.9.2005 Pfarreiengemeinschaft mit St. Thaddäus. Leiter dieser Pfarreiengemeinschaft ist Gerhard Groll. Dr. Thomas Groll ist inzwischen Bistumshistoriker, aber auch am Wochenende für die Pfarrei Hllst. Dreifaltigkeit tätig.]]
Vor fast. 20 Jahren (1967) entstand neben der Pfarrkirche aufgrund einer Schenkung das Pfarrheim. Es wurde von Architekt Ostertag geplant. Nicht nur kirchliche Gruppen und Kreise treffen sich hier, auch viele Ortsvereine. Die Soldatenkameradschaft hält ihre Versammlungen ab, die Sanitätskolonne übt 14-tägig, die Liedertafel hat ihren wöchentlichen Singabend und der Sparverein lädt im Foyer zur monatlichen Einzahlung ein. Der Pfarrsaal ist von Kriegshaber nicht mehr wegzudenken. Auch eine Kegelbahn, die zum Treffpunkt vieler Gruppen geworden ist, wurde integriert. Durch den von Architekt Wörmann geplanten Erweiterungsbau, der im vergangenen Jahr eingeweiht wurde, konnten Räumlichkeiten für Jugendgruppen, ebenerdige vergrößerte Küche, sowie Einrichtungen für Behinderte geschaffen werden. Im Obergeschoß entstand ein sehr schöner kleiner Saal für Schülerjahrgangstreffen und sonstige kleinere Festlichkeiten, ferner als Proberaum für Kirchenchor und Liedertafel. Im Dachraum des Altbaus wurde ein Sitzungszimmer untergebracht. Nicht vergessen werden darf das von verschiedenen Kriegshabern so beliebte Bierstüble im Erdgeschoß des Anbaus. Durch die Erweiterung ist das Pfarrheim noch mehr das geworden, was H.H. Stadtpfarrer Richard Steiner so formulierte: “Es soll ein Ort der Begegnung bleiben und für jeden offen stehen“.
Kath. Pfarrgemeinde “Heiligste Dreifaltigkeit“
Die Katholische Pfarrgemeinde “Hlst. Dreifaltigkeit“ umfaßt etwa 5000 Katholiken und steht nicht nur durch die Gottesdienste mitten im gesellschaftlichen und kulturellen Leben des Stadtteils Kriegshaber.
Der Frauenkreis der Pfarrei hat sich zur Aufgabe gemacht, die Anliegen der Frauen in Öffentlichkeit und Kirche deutlich zu machen und lädt immer wieder die Frauen ein zu Vorträgen, Ausflügen und Feiern, um das Selbstbewußtsein der Frau zu stärken. Höhepunkte sind der Frauenfasching und die Adventsfeier.
Ein vielfältiges Programm dient der Seniorenarbeit der Pfarrei. Neben Vorträgen und geselligen Nachmittagen werden Basteln, Singen und Musizieren, Wassergymnastik und Wandern angeboten.
Ein Schwerpunkt der pfarrlichen Tätigkeit liegt aber auf der Jugendarbeit. In 14 Kinder- und Jugendgruppen wird Gemeinschaft gesucht und gelebt. Skifreizeiten, Kinderolympiade, Fahrradrallys, Zeltlager und Jugendtreffs werden für alle Jugendlichen des Stadtteils ausgerichtet. Daß neben all dem ein vielfältiges Programm mit Krankenbesuchen, Familienkreisen, Kirchenchor, Jugendband, Orff-Gruppe, Pfarrfest, usw. abläuft, ist fast schon selbstverständlich und macht das Leben in Kriegshaber abwechslungsreich und wertvoll.
Neukriegshaber sollte schon in den 20-er Jahren ein eigenes Gotteshaus bekommen. Die Kirche sollte dem Heiligen Gualfardus geweiht werden. Doch eine Geldspende, die nach dem 1. Weltkrieg ein ehemaliger Offizier für den Kirchenbau machte mit der Bitte, ein Altar sollte dem Apostel Thaddäus geweiht werden, war der Anlaß, die ganze Kirche diesem Patron zu weihen. So entstand die Kirchenstiftung St. Thaddäus im Jahre 1919. Am 16.01.1936 Errichtung einer Expositur mit Stadtkaplan Alois Vogg und am 23. Februar Weihe der Notkirche an der Tunnelstraße. In einem Wettbewerb erhielt Architekt Thomas Wechse 1939 den Bauauftrag für ein neues Gotteshaus. Am 9. März 1939 war es dann soweit, der Kirchenbau war genehmigt und sofort haben die Bauarbeiten begonnen. Doch der 2. Weltkrieg brach aus und somit wurden im April 1940 die Arbeiten eingestellt. Schließlich konnte 1941 aber doch weitergemacht werden, weil massive Schutzräume für die Bevölkerung benötigt wurden. Ein Raum, der von Maurern alten Schlages schön gemauerte Ziegelsteingewölbe bekam, wurde ab 19. Juli 1942 auf Weisung des Luftgaukommandos, “außerhalb der dienstlichen Zeit“, für Gottesdienste freigegeben. Diese Unterkirche ist heute Werktagskirche und dienst auch den in Augsburg lebenden Polen als geistliche Heimat. Ebenso zweideutig erhielt die Pfarrgerneinde die Genehmigung zur Errichtung des Turmes. Sie war mit der Auflage verbunden, dort ein Flakgeschütz der Luftabwehr zu installieren. Erst 1948 konnte das Gotteshaus fertiggestellt und am 17. Oktober 1948 von Bischof Joseph Kumpfmüller geweiht werden. Zwei Jahre danach, am 1. November 1950, wurde St. Thaddäus endlich zur Stadtpfarrei erhoben. Der Ausbau des Turmes zog sich bis 1954 hin und 1956 erst konnte der Abt Johannes Ruhland die 6 Glocken weihen. Bald danach erhielt der Hochaltar einen kostbaren Tabernakel und seit Weihnachten 1959 brauchen die Gottesdienstbesucher nicht mehr zu frieren. Der moderne Kreuzweg von Toni Schneider-Manzell vervollständigte 1966 die Ausstattung vonSt. Thaddäus. Ende 1971 wechselte im vorgerückten Alter Pfarrer Alois Vogg in die kleine Landpfarrei Wettenhausen. Pfarrer Herbert Mayr übernahm am 1. Januar 1972 durch bischöfliches Dekret die Pfarrei St. Thaddäus. Er hat nun die Renovierung der in Notzeiten errichteten Anlagen vor sich. Mit der Verkleinerung der Unterkirche entstanden 1974 einige Gemeinschaftsräume. Im September 1977 begann die Außenrenovierung, 11 Jahre später die Instandsetzung des Innenraumes. An ihrem Ende steht der moderne Altarraum mit dem romanischen Hängekreuz und eine erneuerte und erweiterte Orgel. Am Sonntag, den 23. Februar 1986, konnte die Pfarrgemeinde ihr 50-jähriges Bestehen mit einem Festgottesdienst, gehalten von H.H. Bischof Dr. Josef Stimpfle, feiern.
Der Oberhirte vollzog auch den ersten Spatenstich für das neue Pfarrheim gegenüber der Kirche am Kobelweg.
Auch die Pfarrgemeinde St. Thaddäus hat in diesem Jahr Grund zur Freude: vor 50 Jahren feierte sie, in der damaligen Notkirche, ihren ersten Gottesdienst. Inzwischen ist sie zu einer Gemeinde mit fast 4000 Mitgliedern angewachsen. Inner- und außerhalb des Pfarrgemeinderats unterstützen viele Laien ihren Stadtpfarrer Herbert Mayr, dem als Pastoralassistent Herr Winfried Parth zur Seite steht. Die Arbeit der Kirchenverwaltung war die Außen- und Innenrenovierung der Kirche, sowie in Kürze der Bau eines Pfarrheims. Die Pfarrverbände des Kath. Frauenbundes und der KAB laden regelmäßig zu Veranstaltungen ein, die der Besinnung, der Fortbildung oder dem geselligen Beisammensein dienen. Im ökumenischen Familienkreis wird der enge Kontakt mit der evangelischen Nachbargemeinde St. Thomas gehalten. Kinder und Jugendliche jeden Alters finden in den Gruppenstunden und Veranstaltungen der Pfarrjugend Gelegenheit zur sinnvollen Freizeitgestaltung. Sportliche Betätigung ist in der DJK Augsburg-West möglich, in der folgende Sportarten betrieben werden können: Skigymnastik, Mutter- und Kindturnen, Seniorengymnastik, Fußball, Basketball, Volleyball, Kegeln und Tischtennis. Die Teilnahme an Pfarrwallfahrten, an Altennachmittagen und am Seniorenwanderkreis ist für viele Pfarrmitglieder zur guten Gewohnheit geworden.
Ab 1845 wurden die evangelischen
Gläubigen von der evang. Heiligkreuz-Kirche betreut. 1908, 8 Jahre
vor der Eingemeindung Kriegshabers nach Augsburg, wurde ein Verein gegründet,
der ein evangelisches Gemeindehaus errichten wollte. Doch die Eingemeindung
ist längst vollzogen, der 2. Weltkrieg beendet und ein Vikar, der
späterePfarrer Bönisch, hat in Kriegshaber seinen Wohnsitz, als
1951 endlich eine Notkirche eingeweiht werden kann. Ab dem 01.07. 1949
Tochterkirchengemeinde von St. Johannes, am 01.07.1955 exponiertes Vikariat
und endlich 1959 mit 2200 Mitgliedern erstmals selbständige Pfarrei
St. Thomas. Am 31. Januar 1960 wird der Grundstein für die neue Kirche
gelegt. Architekt Olaf Gulbransson schuf den Entwurf für diesen interessanten
Kirchenbau mit Augsburgs einzigem runden Turm. Der Kunstmaler Hubert Distler
steuerte das Altarbild bei. Die Kirchenweihe war am 24. September 1961,
also heuer vor 25 Jahren. Angebaut an das Gotteshaus ist das Pfarrzentrum
mit Pfarrsaal und weiteren Aufenthaltsräumen, Büro, sowie eine
Einliegerwohnung für den Pfarrherrn mit seiner Familie. 5 Jahre später
ist nochmals ein Fest fällig: St Thomas erhält seine neue Orgel.
Nachdem Herr Pfarrer Bönisch nach Erreichung der Altersgrenze in den
wohlverdienten Ruhestand ging, übernahm Herr Pfarrer Waldmann die
Seelsorge der evangelischen Kirchengemeinde von St. Thomas.
Die evang.-luth. Kirchengemeinde St. Thomas zählt etwa 1.800 Gerneindemitglieder. Sie erstreckt sich über den gesamten Stadtteil Kriegshaber und Teile von Stadtbergen. Geleitet wird sie von Pfarrer Rich. Waldmann, der von 3 Damen und 7 Herren des Kirchenvorstands unterstützt wird. Beigeordnet ist ein weiterer Geistlicher, Herr Pfarrer Jochen Paelke, welcher aber ausschließlich in der evangelischen Klinikseelsorge am Zentraiklinikum eingesetzt ist. Weitere Mitarbeiter sind ein Mesnerehepaar, eine Pfarramtssekretärin, ein Organist und Chorleiter. Die Verwaltungsaufgaben übernimmt eine Kirchenpflegerin. Über 50 ehrenamtliche Helfer wirken in vielerlei Funktionen im Gemeindeleben mit. Zentraler Mittelpunkt der gemeindlichen Aktivitäten sind die Gottesdienste in der St. Thomas-Kirche. Für Kinder werden regelmäßig Kindergottesdienste angeboten. Das an die St. Thomas-Kirche angebaute Gemeindehaus ist die Begegnungsstätte für eine ganze Reihe von Gemeindegruppen und -kreise. Es treffen sich regelmäßig Seniorenkreis, Frauenkreis, Mutter-Kind-Gruppe, Freundeskreis, Bibelkreis, Jungschar, Kirchenchor, ökumenischer Familienkreis. Mit den beiden katholischen Nachbargemeinden H.Dreifaltigkeit und St. Thaddäus besteht ein freundlicher und intensiver Kontakt. Am 28. September 1986 kann das 25-jährige Bestehen ihrer Kirche gefeiert werden.
Nach dem 2. Weltkrieg wurden sehr viele amerikanische Soldaten in Augsburg stationiert. Sie taten in den rings um Kriegshaber vorhandenen deutschen Kasernen ihren Dienst, wie Sheridan-, Reese- und Flakkaserne. Dort waren und wurden Kapellen errichtet. Außerdem wurden im Bereich des großen Exerzierplatzes für die Angehörigen der Soldaten Wohnblöcke erstellt. Dazwischen entstand 1953 auch die Sheridan-Kapelle . Alle diese Kirchen sind für 7 verschiedene Konfessionen offen. Die Militärgeistlichen von Amerika haben in einer Initiatorenrolle die verschiedenen Religionen einander nähergebracht. Als ranghöchster Seelsorger ist zur Zeit der Kirchenmann Oberst Josef Henry Piskura Vorgesetzter von 7 “Chaplains“, die die Angehörigen verschiedener Konfessionen betreuen. Die Zusammenarbeit der Priesterkollegen von den Methodisten, Baptisten, Angikanern, Mormonen, sowie Juden, Protestanten und Katholiken sei in diesen Kirchen vollkommen unproblematisch. Gute Kontakte bestehen auch zwischen der amerikanischen katholischen Pfarrgemeinde und den deutschen Pfarreien in Kriegshaber Heilige Dreifaltigkeit und St. Thaddäus, die seit Jahren im Hofe des ehemaligen Westkrankenhauses ihren Fronleichnams-Gottesdienst abhielten. Die amerikanischen Firmlinge werden heuer in der St. Thaddäus-Kirche vom Augsburger Bischof gefirmt.
[Seit der Wende um 1989, als die
kommunistischen Staaten nach und nach demokratische Regierungen
bekamen, war das große Aufgebot von amerikanischen Soldaten in
Europa nicht mehr notwendig. Teile der U.S. Soldaten in Augsburg wurden
beim ersten Irakkrieg 1990 nach dort verlegt und kehrten nicht wieder
nach Augsburg zurück. Alle 3 Kasernen wurden nach und nach der
Bundesrepublik Deutschland zurückgegeben. Bei der
Flakkaserne ist die Neubesiedelung im wesentlichen abgeschlossen. Auch
bei der Reese-Kaserne sind Wohnungen, Wohnhäuser und Firmen neu
gebaut worden. Bei Sherdan-Kaserne besteht mittlerweile ein
detaillierter Plan, wie die Neuansiedlung vonstatten gehen soll.]
In der Geschichte von Kriegshaber werden die Juden erstmals 1565 erwähnt, obwohl sie schon viel früher im Ort ansässig gewesen sein müssen, da es ihnen wiederholt verboten wurde, in der Reichsstadt Augsburg zu wohnen. Nach kaiserlicher Genehmigungsurkunde von 1434 wurden sie gezwungen, gelbe Stoffringe auf ihren Kleidern zu tragen. Im Juli 1438 sollten die Juden, wie aus Wien, Köln und Speyer, binnen 2 Jahren auch aus Augsburg ganz vertrieben werden. Von den 300 Juden befand sich im Steuerbuch von 1439 kein einziger jüdischer Stadtbewohner mehr. Die vertriebenen Juden siedelten sich teilweise in unmittelbarer Nachbarschaft wieder an, wie in Kriegs haber, Pfersee und Steppach. Die Synagoge von Kriegshaber ist 1570 — zunächst als “Judenhaus“ — errichtet worden und diente gleichzeitig als “Judenschule“. Sie steht heute unter Denkmalschutz und wurde vergangenes Jahr außen renoviert und dadurch wieder sehenswert. Die Synagoge sei nicht wegen dem Neubau an der Halderstraße stillgelegt worden, vielmehr habe es in Augsburg zwei jüdische Gemeinden gegeben. Die Kriegshaber Juden - etwa 50 Mitglieder stark - ‚ die bis zur Kristallnacht ihre Synagoge aufgesucht haben, seien orthodox gewesen und hätten sich von der “liberaleren“ Stadtgemeinde unterschieden. Schon 1627, während einer “bösen Contagion“ (Seuche, Pest) wurde der Judenfriedhof angelegt. In ihm mußten auch die Juden der umliegenden Gemeinden Pfersee, Steppach, Schlipsheim und Fischach bestattet werden.
An der Spitze der Glaubensgemeinschaft stand ein Rabbiner, welcher auch die Glaubensbrüder der vorgenannten Orte mitzubetreuen hatte. 1724 zählte der Ort 60 Judenfamilien. Die Judenansiedlung wurde durch die Markgrafschaft Burgau stets gefördert, so daß sich vor den Toren der Reichsstadt ein blühendes Gemeinwesen entfalten konnte. Noch 1829, als das bayrisch gewordene Dorf Kriegshaber 96 Häuser, 246 Familien und 1025 Seelen umfaßte, waren ein Drittel der Einwohnerschaft (322 Personen) Juden. Auf dem jüdischen Friedhof, der offiziell 1636 eröffnet wurde, dann in den Jahren 1695 und 1722 erweitert, errichtete die jüdische Gemeinde ein “Armenhaus der leidenden Menschheit jüdischer Nation von Pfersee, Steppach und Kriegshaber“, das heute als Wohnhaus der Familie Feller, die über Generationen den Friedhof betreut, dient. Der Rat der verschuldeten Reichsstadt schloß am 10. November 1803 einen Vertrag mit 3 jüdischen Bankhäusern aus München, Pfersee und dem in Kriegshaber ansässigen Jakob Obermayer-Kaulla. Gegen Gewährung des ständigen Wohnsitzes in Augsburg, gaben die 3 Bankhäuser zu mäßigem Zins Anleihen von 325.000 Gulden der Stadt. Ab 1861 durften sich Juden wieder in beliebiger Zahl in Augsburg niederlassen. Von den ca. 50 jüdischen Mitbürgern nach der Eingemeindung, haben sich folgende Schicksale abgespielt, die meist nur mündlich überliefert sind. Die in den Konzentrationslagern umgekommenen oder verschollenen Personen wurden dem Buch “Leidensweg der Juden in Schwaben“ von Gernot. Römer entnommen. Von den im Jahre 1935 ausgewanderten Mitgliedern der Familie Burger sind die Eltern Ernst und Rosa, sowie deren Tochter Lilli in Israel verstorben. Die Söhne Justin und Reinhard leben in Israel, die Tochter Klara in New York. Die Familie Dick Albert und Rosa seien im KZ Piaska verschollen. Die in der Ulmer Straße 185 wohnenden Mitglieder der Familie Einstein, Eltern Isaak und Ida, sind in Ausschwitz verschollen. Die Tochter Beate lebt in England. Die im gleichen Haus wohnenden Eltern Einstein Moritz und Lydia sind ebenso in Ausschwitz verschollen, Tochter Lisele lebt in New York. Die beiden Junggesellen Max und Heinrich Einstein sind in Piaska für tot erklärt. In der Ulmer Str. 151 wohnten die Eltern Einstein Hermann und Mina, beide in Ausschwitz verschollen. Ebenso Frau Fanny Mändle, geb. Marx. In der Ulmer Str. 139 lebte Einstein Lui, 1936 in Kriegshaber gestorben, seine Ehefrau Sofie, sowie deren 3 Kinder. Diese sind in Südafrika gestorben. Nur der Sohn Siegmund lebt in Israel. In der Ulmer Str. 121 lebten die Eheleute Einstein Samuel und seine Frau Therese, 1931 bzw. 1939 in Kriegshaber verstorben. Die Tochter Marianne Veit, geb. Einstein lebt in Israel, die Söhne Martin und Siegfried sind in Israel gestorben. Ihre Tochter Erna hat Ausschwitz überlebt, doch kurz nach Kriegsende ist sie in Kriegshaber gestorben.
Das Verhältnis zu den Juden Kriegshabers war selbst in der Nazizeit gut, denn sie genossen bei der Bevölkerung großes Ansehen.