Kriegshaber


Ein Kaiserl. Königl. Burg.[auischer] Weyler, nacher Oberhausen in die Pfarr gehörig, bestehet aus 24 Feuerstätten, wovon 19 Burgau, 2 dem Hospithal zum H. Geist in Augspurg, 2 dem Baron Rehling zu Hainhoffen, und eine dem Domb-Capitul in Augspurg zuständig ist. Die Übrige in dem Plan bemerckte Gebäude seyndt entweder Scheuren oder Stallungen. Hierdurch gehet die Land Strasse von Augspurg nacher Ulm und Dillingen. Die zwey Wirths-Häuser, welche zugleich Preystätte seynd, gehöret eines Lit. B zu Burgau und ist daher considerabel, weilen die auf dem Land sich befindende Zapfen-Wirth als Neusäss, Kobel, Deuringer Hoff, Banacker, Hammel und Nesselried das Bier alda nehmen müssen, welches aber anjezo zum Nachtheil des Allerhöchsten Interesse, indem das Umgeld Allerhöchst  Demselben dadurch entzogen, nicht mehr so genau beobachtet wird, auch hierdurch dem darauf bestelten Breyer ein großer Abbruch seiner Nahrung geschiehet. Bey diesem Wirths Haus befindet sich ein guter und grosser Feldt-Bau, wovon der Wirth den Zehenden und Gülthe als Bauer von Neusäss, theils dem Hospithal, theils dem Stifft St. Gertrauda in Auspurg erlegen muß. Das zweyte Wirths- und Brey-Haus Lit C ist mehrbesagte Hospithal zu Augspurg aigen, ausser daß der Breyer und Wirth das Umgeld dem Kays. Königl. Aerario bezahlen muß, wobey ein starcker guter Feld Bau sich befindet und die Gülthen dem Hospithal einlieffert. Die zwey Rehlingsche Bauernhöff haben auch einen grossen Feld Bau. Der Haupt Zoll Lit. D allhier ist einer deren mit consideralbelsten in der Marggr. Burgau, welcher bey nahe von einem Quartal zu dem anderen s.biß 800 fl in das Kays. Königl. Rennt Ambt lieffert, und würde sich solcher auf eine noch größere Summa belauffen, wann nicht ein nahmhafftes dem Zoll wegen dermahligen schlechten Land Strasse abgeführet würde.
Die übrige Christl. Innwohner allhier haben weder Feld Bau noch Wieswachs, außer eine starcke Viehweid in dem Ried gegen Augspurg und Pfersen, dahero die Innwohner meistens in Sommers Zeiten viel Vieh halten, wovon sie sich nebst Taglöhner ernehren müssen, ausser dem Fleischhacker, welcher einen großen Verschleis am Fleisch hat, u. den Accis dem Allerhöchsten Aerario bezahlet. Die Burgauische Unterthanen seynd collectabel zu der Cassa von Ehingen. Die Juden, die in 64 Haushaltungen bestehen, deren Wohnungen in dem Grund Riß schwarz annoliret seynd, zahlen ihr Schuz Jäger Ganns und Lebzelten Geld dem Allerhöchsten Aerario und treiben ihre Handlung meistens in die Reichs Stadt Augspurg, allwo sie aber 1 fl  20 Kr Einlaß Geldt bezahlen, sie mögen sich den ganzen Tag daselbsten oder nur 1 Stund aufhalten, und wird ihnen zugleich beym Thor ein Soldat zugegeben, der so lang bey dem Juden verbleibet, bis er wider aus der Stadt sich begiebet, wovon solcher dem Soldaten ins besondere 20 Kr nebst der Mittags-Cost den Tag hindurch geben muß. Wann aber der Jud nur den halben Tag in der Stadt sich verweilet, so bekomt der Soldat nur alleinig 10 Kr.
Ohnwert hier Lit F haben solche ihre Begräbnuß, bey welcher Erweiterung und erbauung des daneben stehenden Häusleins anno 1724 ein großer Verdruß mit denen Insässer entstanden, allermaßen dieselbe sich unterfangen, aus der Stadt Augspurg einen Ausfall zu thun, und dieses neu aufgeführte Judenhäußlein abzureißen, worauf ein Commando aus Freyburg [Freiburg im Breisgau, der Sitz der vorderösterreichischen Verwaltung] dieser Gewalthäthigkeit zu widerstehen und unter deßen protection solches herzustellen, anhero geschicket, so dann die Begräbnuß erweitert, und eingezaunet, die Insässer aber zu einer großen Geld Straffe, wiewohl solche dem vernehmen nach noch nicht erleget seyn solle, condemniret geworden, wohin auch die Juden von auswärtigen Orten, als Pfersen, Fischach, Schlipsheim und Steppach ihre Todten vergraben und müssen solche von einem jeden Körper, er seye groß oder klein, der dahin begraben wird, 4 fl dem Allerhöchsten Aerario erlegen.
Die Hohe und Nidrige Jurisdiction, und Gassen Gericht ist Burgauisch.

Original:  Seite 1 , Seite 2 , Seite 3

Eine Zeichnung des Ortes um 1750 nach dem Original von Kolleffel ist in der Dissertation von Sabine Ullmann

Siehe zum Vergleich das Kataster von 1810 mit Plan von 1809

Quelle: Johann Lambert Kolleffel  Schwäbische Städte und Dörfer um 1750, Weißenhorn 1974

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Heinz Wember
Änderungsstand: 07-Jun-2013 20:10